Ja, ich stimme zu.

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Ottmar Hörl, „Joseph Beuys“, 2009,

grauer Kunststoff, 48 x 35 x 41 cm,

mit MDF-Sockel (Gesamthöhe: 110 cm),

Foto: Werner Scheuermann

 

Auflage: 64 Exemplare,

Stückpreis: 1.900 € zzgl. Versandkosten

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FRANZ ERHARD WALTHER

 

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mit Bildlegende

Joseph Beuys-Büste

von Ottmar Hörl

 zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys

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Details

Das Magazin und die App für Kunst und Reisen

Franz Erhard Walther

ORT ZEIT RAUM

Simone Twiehaus besuchte Franz Erhardt Walther

in seinem Atelier in Fulda

Franz Erhard Walther (* 1939 in Fulda), Träger des „Goldenen Löwen“ der Biennale von Venedig 2017 und vierfacher documenta-Teilnehmer ist einer der einflussreichsten deutschen Nachkriegskünstler. Jenseits des klassischen Verständnisses von Skulptur und Malerei formulierte er einen neuen Werkbegriff, der den Betrachter als Akteur miteinbezieht. Für seine Heimatstadt, in der er nach 50 Jahren nun wieder lebt, hat er acht Kunststationen geschaffen, die in einem Rundgang zu entdecken sind.

 

ARTMAPP: Nach vielen Stationen in Deutschland, einem New-York-Aufenthalt und deiner Zeit als Professor an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg lebst du nun seit deiner Emeritierung 2005 wieder in Fulda. Was verbindet dich mit Fulda?

Franz Erhard Walther: Der Grund, nach Fulda zu kommen, war dieses Areal, das wir zufällig gefunden haben. Die Leute denken immer, ich wäre hierher gegangen „back to the roots“, überhaupt nicht. Ich bin als junger Mensch von hier geflüchtet. Das war eine konservative rückwärtsgewandte Stadt. Dann haben wir überlegt: Fulda liegt zentral in Deutschland und ist gut erreichbar, eigentlich ganz praktische Gründe. Emotio­nale Gründe, was man denken könnte, waren nicht dabei. Ich habe hier sehr viel Ruhe. Diese Enge und Rückwärtsgewandtheit, die in den 1950er-Jahren sehr stark waren; das finde ich heute so nicht mehr.

 

ARTMAPP: Seit Kurzem gibt es einen Rundgang mit acht Kunststationen, für die du ortsgebundene Werke angefertigt hast. Wie kam es zu diesem Projekt?

FEW: Es war in den 1990er-Jahren, als der damalige Oberbürgermeister mir im Rahmen der Landesgartenschau ein Projekt angeboten hat. Da habe ich die „Fünf Standstellen“ gemacht. Dann kam eins zum anderen: Das Projekt „Die Ganzheit des Fragments“ an der Bastionswand hat mit einem Architekten zu tun, die anderen Projekte mit dem jetzigen Oberbürgermeister: Die Einrichtung im Informationszentrum der Stadt, ein Werk aus 13 Buchstabenformen und das „König-­Konrad-Denkmal“ am Domplatz. Im Entwurf ist der Jerusalemplatz, Ort des alten jüdischen Friedhofs, den ich wieder in eine würdige Form bringen werde. Vom Präsidenten der Hochschule bin ich auch angefragt worden: Das ist eine Arbeit mit Buchstabenformen in einer Treppenhalle und eine weitere in einem Innenhof eines anderen Gebäudes der Universität mit 24 spiegelnden Metallscheiben und sieben Quadraten. Die Arbeiten des Rundgangs entstanden also aus unterschied­lichen Quellen heraus. Wir haben jetzt so ein schönes Ensemble in der Stadt insgesamt.

 

ARTMAPP: Die „Kunststation III“ ist noch nicht eröffnet. In der dortigen Villa Schmidt wird „Frühe Jahre / Early Years. Sammlung Seng“ zu sehen sein. Was verbirgt sich dahinter?

FEW: Es ist eine Dauerpräsentation meiner frühen Arbeiten. Es sollen auch andere Künstler gezeigt werden. Die Grundlage, dass man es überhaupt machen kann, ist die Sammlung eines früheren Freundes, Gisbert Seng, der zahlreiche frühe Ar­beiten aufgehoben hat und schon sehr früh versprochen hat, sie in eine Stiftung zu überführen. Diese Sammlung, die an die Franz Erhard Walther Foundation gegangen ist, ist der Grundstock. Die Eröffnung wird Ende September sein.

 

ARTMAPP: Die Sprache des Materials ist zentral in deinem Werk. Bei einigen Kunststationen in Fulda fällt auf, dass du jenseits der Verwendung von Stoff als dein bekanntestes künstlerisches Material nun neue Materialien wie Metall verwendest, die eine besondere Verschränkung von Skulptur und ­Architektur sowie Körper, Zeit und Raum ­entstehen lassen.

FEW: Es war bei mir sehr früh der Wunsch angelegt, nicht in einem festen und tradierten Genre hängen zu bleiben und aus der Geschichte auszubrechen mit der Konsequenz, auch neue Materialien, neue Methoden und Techniken zu finden. Ich kann nicht mit klassischen Materialien, die bestimmte ­Bedeutungen transportieren, eine neue Kunstkonzeption entwickeln. Ich habe nach Materialien gesucht, die meiner Handlungsvorstellung entsprechen und die historisch nicht gebunden sind.

 

ARTMAPP: Im Zentrum deines Werks, in dem du Zeichnung, Skulptur, Malerei und Architektur in Beziehung setzt, steht der Betrachter selbst, der die Arbeiten aktiviert. Ergibt sich in dieser Hinsicht über die Orte, die sich verstreut im Stadtraum finden und zu denen sich der Betrachter bewegen muss, eine neue spezifische Form des ­„Werk­begriffs der Handlung“?

FEW: Der Betrachter muss die Orte aufsuchen, er kann sie in Verbindung bringen. Und mir ist wichtig, dass alle Werk­ensembles einen anderen Charakter haben. Wenn sie ähnlich wären, dann würden es nur Formvarianten sein. Also ich will von Ort zu Ort auf eine andere Werkformulierung oder an­dere Werkform treffen, aber ich kann sie verbinden, weil bei allen letztlich, und das ist das Gemeinsame, irgendwie Handlung mit im Raum ist auf verschiedene Weise; mal ist es physischer, mal ist es mehr imaginativ in der Projektion. Aber ohne Handlung und den Bezug des Körpers dazu, würde das alles nicht funktionieren.

 

www.tourismus-fulda.de

 

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7/2022

 

 

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