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Interviews

Patrick Jungfleisch, Foto: Galerie Zimmerling & Jungfleisch

Ein Gespräch mit Initiator Patrick Jungfleisch

„ArtWalk“ Saarbrücken

Interview mit Bülent Gündüz

 

Viele kennen Patrick Jungfleisch (* 1975) unter seinem ­Pseudonym „Reso“ als Urban-Art-Künstler. Seit 2014 ist der Kunstpädagoge auch Mitinhaber und künstlerischer Leiter der Galerie Zimmerling & Jungfleisch in Saarbrücken, die sich ganz auf Urban Art spezialisiert hat; 2017 ist er einer der ­beiden Kuratoren des „ArtWalks“ in seiner Stadt. Bülent Gündüz traf ihn für ARTMAPP zum Interview.

 

ARTMAPP: Wie bist du auf die Idee eines ­Urban-Art-Kunstspaziergangs gekommen?

Patrick Jungfleisch: Ich habe überall auf der Welt gesehen, wie in den Großstädten Urban-Art-Wände entstehen und dort von unabhängigen Initiativen Führungen organisiert werden. Gleichzeitig habe ich als Künstler über Demokratisierungsprozesse in der Kunst nachgedacht und als Lehrer darüber, wie ich bei meinen Schülern Berührungsängste abbauen kann. Die meisten können mit Museen und Galerien nicht viel ­anfangen. Ich wollte Kunst und ihre Entstehung im öffent­lichen Raum erfahrbar machen. In der Stadt soll es zu einer engen Verflechtung von Leben und Kunst kommen. Die Menschen sollen Spaß daran haben, sie erleben und inmitten der Kunst leben. Man muss kein Eintrittsgeld bezahlen und kann die Werke unabhängig von Alter, Herkunft, sozialem Status und Mobilität anschauen. Auch der touristische Ansatz ist sehr interessant. Es werden Besucher in die Stadt gelockt, die sich für diese Kunst interessieren. Das sollte man nicht unterschätzen.

 

ARTMAPP: Du erwähntest, dass es ähnliche ­Modelle wie den „ArtWalk“ schon gibt. Was ist das Besondere in Saarbrücken?

PJ: Einzigartig ist, dass alles in der Innenstadt passiert und nicht wie so oft in den Randgebieten. Die Stadtmitte wird mit Kunst versehen, die fußläufig zu erreichen ist. Zu unserem Konzept gehörte es, dass die Künstler die Umgebung auf­greifen. Wir haben sie dabei so ausgesucht, dass ihre Bildsprache jeweils zum Objekt passt und auch versucht, in der Farbgebung darauf einzugehen.

 

ARTMAPP: Wie wurden die Wände ausgesucht?

PJ: Wir erhielten sehr viele Anfragen von Hausbesitzern, sind aber zusätzlich selbst auf die Suche gegangen und hatten schließlich 30 bis 40 Wände in unterschiedlichen Lagen und Qualitäten. Wir haben dann eine Vorauswahl getroffen, die aber auch von außen beeinflusst war. Entscheidend war die Lage. Die Wände sollten fußläufig erreichbar sein und ­möglichst exponiert stehen, um einen ungetrübten Blick zu ermöglichen. Besonders schwer war das in der zentralen Einkaufsmeile, denn hier kann man die Wände nur in größerer Entfernung sehen und nicht direkt herantreten. Als die Orte feststanden, haben wir dann Künstler ausgesucht, die zu ­diesen Objekten passen und einen möglichst breiten Querschnitt der Kunstrichtung repräsentieren.

 

ARTMAPP: Wieso?

PJ: Weil das Landesdenkmalamt sich eingeschaltet und uns sechs Wände herausgestrichen hat. Es blieben ursprünglich 15 Wände übrig, allerdings mussten wir aus Kostengründen auf zwölf Werke reduzieren, weil die ­Untergründe zuvor mit Dampfstrahlern vom Feinstaub ­befreit werden mussten. Das brachte unsere Kalkulation ins Wanken.

 

ARTMAPP: Wie hoch ist das Budget?

PJ: Wir haben jetzt 350.000 Euro zur Verfügung. Diese ­Finanzierung kommt aus EU- und Landesmitteln sowie von Sponsoren. Machbar ist das Projekt aber nur, weil auch die Künstler den „ArtWalk“ sehr spannend finden und zu ge­ringen Honoraren arbeiten. Wir müssen außerdem die Öffentlichkeitsarbeit und ein Buch davon finanzieren.

 

ARTMAPP: Es wird also eine Publikation geben?

PJ: Ja, es wird ein 200-seitiges Buch erscheinen mit vielen ­Fotos von den Wänden, auch mit Vorher/Nachher. Dazu ­erläutert jeweils ein Text Werk und Künstler. Außerdem wird es einen Stadtplan geben, der kostenlos in der Tourismus­zentrale ausliegt, höchstwahrscheinlich auch in ­einigen Geschäften. Außerdem erstellen wir noch eine Website und eine Smartphone-App.

 

ARTMAPP: Es gibt ja schon einige sehr schöne Wände in der Innenstadt. Warum wolltet ihr die nicht integrieren?

PJ: Das war ursprünglich eine Überlegung von uns, aber wir fokussieren nun Wände, die extra für den „ArtWalk“ konzipiert worden sind. Wir wollten uns von ähnlichen Konzepten dadurch unterscheiden. In anderen Städten sind es eben genau die Wände, die schon da waren, die man dann zu einem Spaziergang verbunden hat. In Mannheim entsteht mit „Stadt Wand Kunst“ etwas Ähnliches, aber dort muss man die Nahverkehrsmittel benutzen, um die Kunstwerke zu erschließen. Vielleicht nehmen wir aber einige bereits bestehende Wände in unseren Rundgangsplan auf.

 

ARTMAPP: Gab es auch Künstler, die abgesagt haben?

PJ: Ja, wir hatten welche, denen unsere Konditionen nicht ­zugesagt haben. Wir können nicht viel Honorar zahlen, wollen aber jedem etwas geben und das sollte unabhängig vom Renommee immer das Gleiche sein. Wenn mehrere Künstler eine Wand gestalten, müssen sie sich auch das Honorar teilen, denn wir haben pro Objekt ein festes Budget eingeplant.

 

ARTMAPP: Wird der „ArtWalk“ fortgesetzt?

PJ: Es soll 2018/19 weitergehen. Wir wollen aus dem Stadtkern in die anderen Viertel wachsen. Das hängt aber von den Verhandlungen mit Sponsoren ab. Auch die Künstlersuche wird nicht einfacher. Wir wollen keine Überschneidung mit anderen Veranstaltungen und möchten Saarbrücken eine gewisse Exklusivität garantieren.

 

ARTMAPP: Patrick Jungfleisch – vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

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08/2017

 

 

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