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Sigrun Krauß über den Kunstweg

HELLWEG – ein LICHTWEG

In der Region Westfalen, im östlichen Ruhrgebiet, gibt es Dutzende Hellwege. Sie führen kreuz und quer durchs Revier, verlaufen durch Städte und Gemeinden, knüpfen Ortsteile zusammen oder trennen sie. Seit 2002 ist die Hellweg-Region nun durch ein stetig wachsendes Kulturprojekt zusätzlich vernetzt, in welchem das Licht die zentrale Rolle spielt: „HELLWEG – ein LICHTWEG“ heißt der Zusammenschluss lichtkünstlerischer Arbeiten, zu dem jedes Jahr neue Werke der Lichtkunst hinzukommen. Internationale Künstlerinnen und Künstler realisieren entlang der Hellweg-Route einzelne Werke, die als Lichtzeichen und Leuchttürme, illuminierte Industriedenkmäler ebenso wie einzelne Lichter in Dunkelzonen zu Landmarken der Region werden. Zusammen mit dem Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna sind die Städte und Gemeinden von Lünen und Schwerte im Westen des Ruhrgebiets bis Lippstadt im Osten Ankerpunkte des Kunstweges. Ahlen, Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Hamm, Soest sind einige der beteiligten Orte auf der Lichtkunst-Landkarte. Inzwischen verbinden 45 leuchtende Landmarken das Hellweg-Wegenetz zu einem einzigartigen Lichtkunstparcours.

 

„HELLWECH“ (mittelniederdeutsch) bedeutet schließlich „lichter Weg“, das bezieht sich auf die Königs- und Heerstraßen, die im Hochmittelalter „in der Breite einer Speerlanze (circa drei Meter) von Bewuchs freigehalten ­werden mussten“. Diese historischen Wege mit Licht zu markieren, erscheint also auf jeden Fall sinnvoll.

 

Das Konzept funktioniert trotz (finanziell) mitunter schwieriger Bedingungen weiterhin und trägt erfolgreich dazu bei, NRW und insbesondere die Region als eine öffent­liche Plattform für Lichtkunst zu etablieren. Katja Behrens sprach für ARTMAPP mit Sigrun Krauß, Geschäftsführerin des Projekts.

 

ARTMAPP: Frau Krauß, Sie sind seit Beginn an den Projekten beteiligt gewesen. Welches ­Konzept steht dahinter?

Sigrun Krauß: Im Rahmen der Internationalen Bauaus­stellung Emscher Park – IBA – wurden bereits in den 1990er-Jahren Werke der Lichtkunst für öffentliche Stadt- und Landschaftsräume in Nordrhein-Westfalen konzipiert. Im Rückgriff auf die „1.000 Feuer“, die einst die Industrie­region zwischen Ruhr und Emscher erhellten, sollten „Leuchttürme“ und Licht-Landmarken der Nacht im Ruhr­gebiet ein verändertes Gepräge geben, der Region Wegweiser sein. Was mit den „Licht-Landmarken“ als Abschluss der langjährigen IBA-Arbeit auf hohem künstlerischem Niveau begann, hat sich seit 2002 im östlichen Teil Nordrhein-­Westfalens, in der Kulturregion Hellweg, mit dem Lichtkunstprojekt „HELLWEG – ein LICHTWEG“ fort­gesetzt und wird seitdem mit der Installation neuer Lichtkunstobjekte stetig erweitert.

 

ARTMAPP: Welches sind Ihrer Meinung nach unübersehbare Höhepunkte des Lichtwegs?

SK: Inzwischen findet sich eine Vielzahl unterschiedlichster Kunstwerke von international renommierten Künstlerinnen und Künstlern entlang des Hellwegs: Installationen von ­Rosemarie Trockel, Mischa Kuball, Mario Merz oder auch von Jan van Munster, der gerade den Deutschen Lichtkunstpreis bekommen hat. James Turrells Skyspace „Third Breath (2005/2009)“ bietet ein farbenprächtiges Lichtspiel und ist weltweit einzigartig, da er auch eine Camera Obscura besitzt. Und Egill Sæbjörnssons wasserfallartig am Kunstmuseum Ahlen herabströmende Lichtinstallation „Kaskade“ entfaltet eine ganz eigene Magie, strahlt in die Landschaft, in die unmittelbare wie auch die entfernte Umgebung. Mischa Kuball markiert mit seinem weithin sichtbaren „Yellow Marker“ den hohen Förderturm der stillgelegten Zeche Königsborn III/IV in Bönen und erinnert mit der grazilen Geometrie an die ­einstige Größe der Region. Mario Merz beschriftet den Schornstein der Lindenbrauerei in Unna mit der Fibonacci-­Reihe. Und kürzlich erst wurden Sebastian Hempels „Schilfrohre“ am Marinehafen in Lippstadt eingeweiht, eine poetische Installation, bei der sich die 18 leuchtenden Schilfrohre sanft im Wasser bewegen und spiegeln.

 

ARTMAPP: Und haben die Künstler die Orte ihrer Interventionen selbst ausgesucht?

SK: Die Herangehensweise ist von Mal zu Mal unterschiedlich und sehr komplex. Wenn beispielsweise ein Ort mittels künstlerischer Intervention in einen anderen Sinnzusammenhang überführt werden soll, erfolgt nach Begehung und Sichtung durch die Partner zusammen mit dem Kurator eine beschränkte oder offene Ausschreibung auf diesen Ort hin und eine Jury entscheidet unter Vorsitz des Kurators über die Auswahl. Grundlage sind die auf den Ort zugeschnittenen Entwürfe der einzelnen KünstlerInnen, die dann auf ihre Machbarkeit und technische Umsetzung hin geprüft werden.

 

ARTMAPP: Frau Krauß, wer kuratiert und ­koordiniert die Arbeiten und Lichtkunstprojekte?

SK: Die Arbeiten wurden seit Beginn des Projektes vom künstlerischen Leiter Matthias Wagner K kuratiert, mit Ausnahme des „Yellow Markers“ von Mischa Kuball, der bereits als Licht-Landmarke aus der IBA hervorgegangen war. Die Idee der Lichtpromenade Lippstadt hatte der Künstler Dirk Raulf, der gebürtig aus Lippstadt stammt und heute in Köln lebt. Er kuratiert auch deren Lichtkunstwerke und sucht die KünstlerInnen aus. Die Brücken in Hamm entstanden im Zuge eines Städtebauprojekts. Für die Zukunft sind wir im Gespräch mit einem neuen Kurator, dessen Namen wir hier aber noch nicht nennen können. Koordiniert werden die Arbeiten von mir als geschäftsführender Vorständin des Vereins „HELLWEG – ein LICHTWEG“ gemeinsam mit den Städten.

 

ARTMAPP: Was macht der Lichtweg mit der ­gesamten Region?

SK: „HELLWEG – ein LICHTWEG“ ist eine erweiterbare, in Entwicklung befindliche (Kunst-)Route, ein gemeinsames räumlich definiertes Projekt der Region, getragen von einem starken Netzwerk aus den Städten und Einrichtungen der Gegend. Für den Kunstweg gelten hohe Qualitätskriterien, die durch Kuratoren gewährleistet werden, mit Werken, spezifisch für die Umgebung oder den Raum geschaffen, an meist ungewöhnlichen, reizvollen Orten. „HELLWEG – ein LICHTWEG“ ist damit Identitätsfaktor für die Umgebung und für die Region und deren Bevölkerung. Der Weg ist damit einzigartig in NRW und international ein attraktives Kunst- und Tourismusziel.

 

 

www.hellweg-ein-lichtweg.de

 

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3/2020

 

 

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