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Konrad Bitterli, Direktor Kunst Museum Winterthur, Foto: Museum

Interview mit Konrad Bitterli, Direktor Kunst Museum Winterthur

„Die Kunstgeschichte endet nicht

mit der Moderne!“

Mitte 2017 kam Konrad Bitterli vom Kunstmuseum St. Gallen als Direktor ans Kunstmuseum Winterthur, das kurz darauf zusammen mit dem Museum Oskar Reinhart in dem neu -geschaffenen Museumskonglomerat Kunst Museum Winterthur aufging. Zugleich ist Bitterli angetreten, frischen Wind in die Großsammlungen Winterthurs zu bringen. Das Programm des neuen Museums zeigt mit Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlerinnen wie Katinka Bock oder Karin Sander plötzlich Ambitionen als Haus für Gegenwartskunst. Carsten Probst sprach für ARTMAPP mit Konrad Bitterli.

 

ARTMAPP: Herr Bitterli, drei schwergewichtige, eigenständige Museen Winterthurs: das Museum Oskar Reinhart, das Kunstmuseum und die Villa Flora mit der Sammlung Hahnloser/Jaeggli – sie alle firmieren nun unter einem Namen als Kunst Museum Winterthur. Die ebenfalls hochkarätige Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz darf nicht mit­mischen. Für Außenstehende mag das auf den ersten Blick schwer zu verstehen sein ...

Konrad Bitterli: Man muss einfach wissen, dass diese ganze Neuordnung eine mehr als zwölfjährige Vorgeschichte hat. David Streiff, der damalige Leiter des Bundesamtes für Kultur, der die Museumslandschaft der Schweiz wie kein anderer kennt, hat damals ein Konzept entwickelt, wie man die ­Museumssituation in Winterthur, die extrem fragmentiert war, optimal neu ausrichten könnte. Nach vielen Pausen und ­Umwegen können wir dieses Konzept nun endlich umsetzen. Die Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz ist von dieser ­Lösung ausgenommen, weil sie im Gegensatz zu den ge­nannten drei anderen Häusern nicht dem Kanton oder der Stadt, sondern der Schweizerischen Eidgenossenschaft – in Deutschland würde man sagen: dem Bund – gehört. Oskar Reinhart hat so gesehen selbst seine Sammlung auseinanderdividiert. Damit bleibt eine Fragmentierung, aber zumindest der städtische Teil der Institutionen ist jetzt zusammen­geführt. Der Vorteil ist: Bisher konkurrierte das Museum Oskar Reinhart mit den Kollegen vom Kunstmuseum, das nur 120 Meter von hier auf der anderen Seite des Stadtgartens liegt, um dieselbe Zielgruppe. Dieser Verschleiß von Energien ist jetzt vorbei, und wir haben einen gemeinsamen Auftritt. Der Kanton Zürich und die Stadt Winterthur unterstützen das auch mit erhöhten Subventionen.

 

ARTMAPP: Aber klingt „Kunst Museum ­Winterthur“ nicht ein wenig gemogelt, wenn man zunächst nicht weiß, welche Häuser dazugehören und welche nicht?

KB: Wir haben uns schon gefragt, ob man unseren neuen ­Auftritt so gestaltet wie in Bern. Die Direktorin des dortigen Kunstmuseums, Nina Zimmer, hat Visitenkärtchen, auf deren einer Seite sie als Direktorin dieses Museums vorgestellt wird und auf der anderen Seite als Direktorin des Zentrums Paul Klee. Faktisch ist sie ja beides. Solche Parallelstrukturen kann man sich leisten, wenn man als Stadt genügend Geld hat. In Winterthur ist das leider nicht der Fall.

 

ARTMAPP: Es geht hier also ums Sparen – wie so oft?

KP: Auch, aber bei Weitem nicht nur. Es geht vor allem um Synergien.

 

ARTMAPP: Die Villa Flora mit der fantastischen Postimpressionisten-Sammlung des Ehepaars Hahnloser ist auf Jahre hinaus geschlossen, die Kollektion ist nach einer längeren Tournee nun in Bern zu sehen; wann die Villa Flora wiedereröffnet, steht in den Sternen. Leistet sich Winterthur mehr Museen, als die Stadt tragen kann?

KP: Nein, eigentlich ist es genau umgekehrt. Der Kunstverein Winterthur ist als Träger dieses neuen Museumsverbundes ­finanziell recht solide aufgestellt. Die Villa Flora musste ­geschlossen werden wegen Sanierungsbedarfs. Die ­Meisterwerke der frühen Moderne konnten dort aus Sicherheitsgründen nicht mehr gezeigt werden. Erst durch die Zusammenführung der drei Häuser wird es überhaupt wieder die Möglichkeit geben, das Haus zu bespielen. Die jetzt einheitliche Verwaltungsstruktur für die drei Häuser insgesamt ermöglicht es, dass man die Villa Flora, wenn sie in etwa vier Jahren renoviert ist, in diese Struktur integrieren kann, ohne dass wieder alles neu geregelt werden muss.

 

ARTMAPP: Sie sind somit jetzt Direktor dreier Häuser, quasi Generaldirektor.

KB: (lacht) „Super-Direktor“ fände ich besser … Aber im Ernst, es gibt jetzt nur noch einen Direktor, und damit haben wir schon viel gespart.

 

ARTMAPP: In St. Gallen haben Sie ein betont zeitgenössisches Programm verfolgt. Mit der Neuordnung und Ihrer Berufung hierher will man jetzt in Winterthur offenbar auch etwas aktueller werden.

KB: Es ist ja kein Geheimnis, dass die Programmatik der Winterthurer Museen eher konservativ ausgerichtet war. Meine feste Überzeugung, die auch meine bisherige Arbeit stets geprägt hat, ist aber, dass das Verständnis für Kunst nicht einfach bei Meier-Graefe und der klassischen Moderne enden kann. Die hier in Winterthur bestehenden, wunderbaren Sammlungen auch unter diesem Aspekt mit neuem Leben zu füllen, das empfinde ich als sehr spannende Aufgabe.

 

ARTMAPP: Konrad Bitterli – vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

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04/2018

 

 

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