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Martin bruno schmid

 

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Alle Arbeiten © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Detailinformationen

zu den Arbeiten

 

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21. bis 24. Februar 2019

Martin Bruno Schmid auf der art KARLSRUHE

Galerie Hubert Schwarz, Greifswald

www.martinbrunoschmid.de

www.galerie-schwarz.de

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Martin Bruno Schmid

Bodenständiger Minimalismus

„Ich mache nicht aus Selbstzweck Löcher.

Für mich ist das Löcherbohren auch eine Möglichkeit,

hinter die Dinge zu schauen.“

 

Martin Bruno Schmids (* 1970) Werk steht auf den ersten Blick in der Tradition der formalistischen Moderne. Wie ­andere Kollegen seiner Generation greift der in Baden-­Würt­temberg ansässige Künstler den minimalistisch-konkreten Formenkanon jedoch auf und aktualisiert diesen auf ganz ­eigenständige Art und Weise für die Gegenwart.

 

Noch während seines Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart entsteht die Werk­reihe „Face­peelings“. Für diese schmirgelte Martin Bruno Schmid Cover von Mode-, Lifestyle- und Kunstmagazinen so lange ab, bis eine weiße samtige Oberfläche zum Vorschein kam. Die ­bunten Hochglanzmagazine wurden auf diese Art und Weise durch Handarbeit in hermetische Minimal-Arte­fakte ­transformiert, die den Betrachter dazu auffordern, sich auf die eigenen inneren Bilder zu besinnen, anstatt sich an den ­massenhaft verbreiteten kommerziellen Bildwelten zu orientieren.

 

Alleinstellungsmerkmal der Bilder, die Martin Bruno Schmid im Zuge seiner weiteren künstlerischen Entwicklung kreierte, ist die Wahl seines bodenständigen Werkzeuges.

 

So fertigt Schmid seine Wandbilder, sogenannte „Bohr­stücke“, nicht mit Pinsel und Farbe, sondern mittels einer Bohr­maschine, mit der er die Oberfläche des Bildträgers in der Tradition der formalistischen Malerei selbst zum Thema macht, indem er sie perforiert. Durch die unregelmäßig ­gesetzten Bohrungen entstehen geometrische Formen, ­Kreise, Vierecke oder Muster, die den Bildträger bzw. die Wand organisch verlebendigen.

 

Mit den Jahren wurden die Arbeiten von Martin Bruno Schmid dann im wahrsten Sinne des Wortes immer „raumgreifender“ und der Künstler „aktivierte“ nicht mehr nur Wände bzw. Decken von Innenräumen, sondern ganze Gebäude, die er im Rahmen von Kunst-am-Bau-Projekten auf die unterschiedlichste Art und Weise künstlerisch auflädt.

 

Für überregionales Aufsehen sorgte im Jahr 2017 ­beispielsweise sein Plan, im Zuge eines gewonnen Kunst-­am-Bau-Wettbewerbes die tragenden Stahlbetonsäulen im Foyer des neuen Geo- und Umweltzentrums der Universität Tübingen jeweils der Länge nach aufzuschlitzen. Ein Eingriff, der zwar ephemer, aber von großer Wirkung ist. Entsteht bei den Besuchern, die diese Schlitze wahrnehmen, doch ein Gefühl von Verunsicherung und nicht zuletzt vielleicht auch ein Bewusstsein für die Labilität der Natur, die in diesem Haus erforscht wird.

 

Mit dem Wettbewerbsbeitrag „Fond (Goldgrund)“ wurde ein weiterer Entwurf des Künstlers mit einem ersten Preis ­aus­gezeichnet, der nicht Kunst „am“ Bau, sondern im ­wahrsten Sinne des Wortes Kunst „im“ Bau ist. So sollen im Rahmen dieses Projektes im Foyer des Humboldt Forums im neuen Berliner Schloss 64 handgearbeitete Dübelobjekte aus reinem Gold so in die Wände des Auditoriums eingemauert und ­verankert werden, dass für den Betrachter nur noch die kreisrunden Oberflächen als minimalistische goldene ­Setzungen sichtbar sind. Eine Arbeit, die das Argument der Politik, dass Kunst und Kultur Investitionen in die Zukunft seien, beim Wort nimmt und nicht zuletzt im Sinne der Humboldt-­Brüder zu lesen ist, da hier high & low auf ­überzeugende Art und Weise in einem Werk vereint sind.

 

Nicole Fritz, Direktorin der Kunsthalle Tübingen

 

 

 

Detailinformationen zu den Arbeiten

 

Abb. 2, „Schalungslöcher (+34)“:

Impuls des Werks ist die vollkommen regelmäßige Verteilung der am gesamten Gebäude sichtbaren Beton-Schalungs­löcher. Diesem strengen orthogonalen Raster fügt der Künstler insgesamt 34 zusätzliche Schalungslöcher hinzu –

in völlig freier Verteilung. Innen und außen am Gebäude. Ausschließlich an untypischen, leicht deplatzierten Stellen. Eine minimale Geste rückt ein kleines architektonisches Detail in den Fokus, bespielt leise und zurückhaltend das gesamte Bauwerk und bringt es dezent zum Singen.

 

Abb. 3, „Tondo“:

Ein 4 Tonnen schweres Kreissegment mit einem Durchmesser von 2,50 m wird aus einer tragenden, 40 cm starken Sicht­betonwand ausgesägt, um 10° im Uhrzeigersinn gedreht und dauerhaft wieder in die Wand eingesetzt. Das regelmäßige Fugenraster der Sichtbetonwand ist minimal in Bewegung gesetzt, das gesamte Foyer visuell aktiviert.

 

Abb. 4, „Bohrschnitt, prekär“:

Das Foyer des neuen Geo- und Umweltzentrums der ­Universität Tübingen wird von fünf schlanken, 7,50 m hohen Stahlbetonstützen getragen. Jede der fünf Stützen wird der Länge nach mittig aufgesägt. Die jeweilige Länge der ­Sägeschnitte ist statisch exakt berechnet und verweist auf die maximale Grenze der Tragfähigkeit: je kürzer der Schnitt desto höher die Drucklast auf die Stütze. Ein prekäres Gefühl latenter Spannung und Unsicherheit stellt sich ein und die simple Frage wird evoziert: Hält das? Sämtliche eingesetzten Maschinen und Methoden sind ­identisch mit denjenigen, die auch am Geo- und Umwelt­zentrum zum Einsatz kommen. Nichts wird appliziert, das Werk entsteht ausschließlich durch Entfernen von Material.

 

Abb. 5+6, „Fond (Goldgrund)“:

In die Wände des Humboldt Forums im Berliner Schloss sollen insgesamt 64 handgefertigte Dübel-Objekte aus ­purem Gold eingemauert werden. Spärlich im Raum verteilt verweisen nur ihre runden ­Öffnungen und ihr dezenter Goldschimmer auf die dahinter schlummernden Objekte und deren Wertigkeit.

99 % des Kunstwerks sind nicht sichtbar, nur vorstellbar. Eine Intarsie der etwas anderen Art. Und eine Investition in die Zukunft.

 

 

 

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12/2018

 

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