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Magda Krawcewicz

 

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Magda Krawcewicz

im Kraftwerk & Galerie Bad Gastein

11. bis 26. Juli 2018 bzw.

28. Juli bis 2. September 2018

www.sommerfrischekunst.de

www.seemagda.com

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Magda Krawcewicz zur Sommerfrische in Bad Gastein

I crossed oceans of time to find you

Magda Krawcewicz arbeitet vom 6. bis zum 29. Juli im Rahmen des internationalen Kunstfestival sommer.frische.kunst in Bad Gastein – im neunten Jahr initiiert von Andrea von ­Göetz. Mit namenhaften Künstlern wie Johnatan Meese, ­Michael Sailstorfer, Simon Lohmeier und Andreas Mühe und fünf weiteren Stipendiaten beleben sie von 6. Juli bis 31. August den ­österreichischen Kurort. Magda Krawcewicz, 1978 in ­Polen geboren, Studium an der Hochschule für angewandte ­Wissenschaften in Hamburg, beschäftigt sich in ihren Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen mit der Auflösung und Fragmentierung von Körper, Gestalt und Raum. Die Künst­lerin wird in Bad ­Gastein an Porzellanskulpturen aus der Werkreihe der Small Idols weiterarbeiten.

 

Auf den ersten Blick wirken sie schon leicht morbide, diese Idole. Aber dieser Eindruck verflüchtigt sich bald. Denn diese Totenköpfe – und darauf kommt es hier an – sind viel kleiner als echte. Und sie strahlen den Betrachter in einem ­stillen, ­klaren, einem sehr lebendigen Weiß an. Welche Leben­digkeit in ihnen steckt, das spürt man spätestens, wenn man ins Innere einer dieser Arbeiten von Magda Krawcewicz blickt, greift. Hinter der Oberfläche, dem Schädel und seinen Knochen ­erscheint das Wesentliche – dort offenbaren sich alle Brüche des zarten Materials, die Fingerabdrücke der Künst­lerin, ihre Energie, etwas Unperfektes. Gerade in diesem nur schein­baren Gegensatz entfaltet sich das Sinnliche, ja: die ­poetische Kraft dieser Werke. Dabei kann jedes Einzelne von ihnen auch ganz unabhängig von jeder Botschaft bestehen, die man in ­ihnen sieht.

 

„I crossed oceans of time to find you“ ist der ge­meinsame Titel all dieser Skulpturen, von denen Magda Krawcewicz seit Beginn des Jahres 2017 mittlerweile zwei ­Serien geschaffen hat: Die erste heißt „Blue“, die zweite ­„Melancholia“, weil sie unterschiedliche Kristallglasuren ­haben; „Small Idols“ wird die dritte heißen. Der Titel ist ein Zitat aus Bram Stokers „Dracula“, in dem es ja nicht nur um den Tod, sondern auch um die Liebe geht – er verbindet damit einmal mehr Eros und Thanatos, also ein immer wieder ­kehrendes Motiv in Krawcewicz Arbeiten. Dass der Roman vor allem von Vampiren handelt, ist an dieser Stelle egal:

„I crossed oceans of time to find you“ spiegelt vor allem die ­Suche nach jemand – oder etwas? – Geliebtem, Verehrtem, Kostbarem, ja: vielleicht auch Idealisiertem. Es ist eine Suche, für die es so gar nicht auf Äußerliches, auf Zeit und Ökonomie ankommt, sondern allein auf das Innere, auf die Geduld und die Bestimmtheit, mit der dieses Ziel verfolgt wird. Und so gibt der Titel diesen Skulpturen etwas sehr poetisches und vereint zugleich, was uns zunächst unvereinbar erscheint.

 

Obwohl sie Idole sind, haftet diesen Werken so gar nichts religiöses an. Wohl aber etwas sehr mystisches, und natürlich spielen sie mit der ganzen Kraft des Mythologischen. Idole sind sie indes weniger im Sinne des lateinischen idolum – das für „Abgott“ steht – sondern im Sinne des griechischen eídolon‚ in dem sich das Wesen als solches zu erkennen gibt. Sie sind geschmückt mit Federn und Muscheln, Pocken und Schlangenhäuten, Objekten also, denen allen schon für sich allein genommen eine vielschichtige Bedeutung innewohnt. Damit erinnern diese Porzellanarbeiten zwar an Fetisch­objekte. Doch sie behalten ihre spielerische Leichtigkeit, weil sie keiner spezifischen Zeit oder Kultur zuzuordnen sind und auch keine ganz eigenen erschaffen wollen. Die kleinen kultische Werke sind mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile und im besten Sinne universell, allumfassend. Wenn hier gelegentlich die gefiederte Schlange Quetzalcoatl wieder auftaucht, die schon anderswo in Krawcewicz’ Arbeiten zu ­sehen ist, dann verweist sie weniger auf die Maya-Kultur, der sie entstammt, und schon gar nicht auf das uns vertraute ­biblische Bild der Schlange. Sondern auf die Wiedergeburt, die Erneuerung und Fruchtbarkeit, die Wachsamkeit und die Kraft des Instinktiven.

 

Die Werke haben, für die Künstlerin eher untypisch, keine Einzeltitel. Sie sind aber unverkennbar eigenständige Werke, von denen jedes seinen eigenen Charakter bekommen hat. Sie harmonieren als Serie, die sich organisch entwickelt, und können doch allesamt auch für sich alleine stehen. Mit ­ihnen schreibt die Künstlerin alte Mythen fort – fast nimmt die Kunst hier nun die Stelle eines heiligen Objekts ein; manch ­einer mag das ketzerisch finden, auch wenn es nicht so ­gemeint ist. Dabei reflektiert die Kunst hier doch auch ihre ­eigene Rolle: In der Öffentlichkeit wird sie heutzutage ­ehrfürchtig bestaunt, vielleicht sogar bewundert wie einst ­metaphysisch entrückte Figuren. Magda Krawcewicz holt sie von diesem Sockel der Verheißung, ohne sie deswegen zu ­entzaubern – ganz im Gegenteil. Sie schafft Raum für eine neue Wahrnehmung.

 

Zugleich zeigt sich, wie sehr alle diese Idole doch eine natür­liche Weiterentwicklung jener Skulpturen sind, an ­denen die Künstlerin in den letzten Jahren gearbeitet hat. Ihre Porzellanarbeiten gewinnen hier eine ganz neue Substanz und Tiefe, ja: sie eröffnen eine neue Dimension von Krawcewicz’ Bildhauerei.

 

Jan Zier

 

 

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7/2018

 

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