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Tim Berresheim

 

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Spektakulärer Realismus in 3-D

Tim Berresheim

im Interview mit Sebastian Baden

Tim Berresheim gehört zu jenen zeitgenössischen Künstlern, deren Werk vollständig aus einem digitalisierten Arbeitsprozess heraus entsteht. Selbst eine eigene App hat der Künstler zusammen mit seinem Team entwickelt. Sie ermöglicht Einblicke in eine „augmented reality“, sobald sie in der Kombination von Kunstwerk und Smartphone oder Tablet zum Einsatz kommt. Im Interview mit ARTMAPP erklärt Tim Berresheim, wie er Kunst in eine computergenerierte Welt bringt und was dies für die Kunstgeschichte bedeutet.

 

ARTMAPP: Ihre künstlerische Arbeit setzt auf 3-D-Effekte und „augmented reality“. Möchten Sie damit einem konservativen, elitären Kunstbegriff entgegentreten, indem Sie verstärkt auf die Ästhetik der populären Unterhaltungskultur in Film, Gaming und Comic – oder sogar Musik – setzen? Wie kam es zu dieser Positionierung?

Tim Berresheim: Es gibt meinerseits gar keine Positionierung gegen die „konservative“ Kunst, sondern ich möchte vielmehr eine Hilfestellung leisten, damit man die nicht offensichtlichen, digitalen Prozesse der Bildgenese meiner Werke verstehen kann. Der 3-D-Effekt ist lediglich ein didaktisches Tool und sicher kein Affront.

 

ARTMAPP: Wo setzen Sie an, wenn Sie mit der Arbeit an einem neuen Werk beginnen?

TB: Ich setze bei meinen Werken zunächst mit einem additiven Werk- und Bildwissen an und arbeite dann Nullstellen sowie Fragestellungen sukzessive ab.

 

ARTMAPP: Ihre Kunst basiert vollständig auf digital erzeugten Bildern. Trotzdem verweisen Sie auf bekannte realistische Darstellungsformen, surrealistische Effekte oder den Index der Malerei. Ihr Pinsel ist allerdings die Programmierung der Software. Welche kreativen Lücken bietet die Kunstgeschichte noch?

TB: Die große Lücke liegt leider im zeitgenössischen Umgang mit der Moderne und ihren Werkzeugen. Man sollte hier brüderlich vorgehen und aufklären, statt sich abzugrenzen und einen noch größeren Bruch zu erzeugen. Auf meinem Spielfeld finden die Bildgenese der Vormoderne, die Effekte der Moderne sowie ein künstlerischer Umgang mit zeitgenössischen Tools des Jahres 2017 zusammen.

 

ARTMAPP: Sie arbeiten mit CAD-Techniken und bringen Ihre Kunst auf die App. Was bedeutete der Zugang zu mobiler Produktion von Werken für Ihre künstlerische Arbeit?

TB: Er bedeutet die Herstellung einer gemeinsamen Sprache, um ein gemeinsames Verständnis für meine Arbeit zu erzeugen. Jeder kann sich vorstellen, wie ein Pinselstrich oder der Umgang mit dem Hammer bei einer Skulptur funktioniert. Das ist bei meiner Bildgenese nicht so und deswegen habe ich diese Hilfsmittel entwickelt.

 

ARTMAPP: Windows will jetzt das beliebte Malprogramm „Paint“ abschaffen? Werden Sie hier auch nostalgisch und denken an die Anfänge Ihrer Arbeit zurück – wie dürfen wir uns Ihren Einstieg in das digitale Realitätsmodell vorstellen?

TB: Mein Einstieg in das digitale Realitätsmodell begann nicht mit einem Malprogramm oder gar Photoshop, um damit Pixelbilder herzustellen, sondern fand von Anfang an im dreidimensionalen Gestaltungsraum des Computers statt. Zu Beginn ging ich zwar instinktiv vor, aber eher aus einer Abwehrhaltung heraus. Warum soll ich mit einem Programm einen Pinsel oder eine Schere benutzen, wenn es diese doch schon in der echten Welt gibt? Mir geht es um ein kohärentes Bildmodell, welches ganz stark darauf basiert, jenseits der Collage wahrgenommen zu werden.

 

ARTMAPP: Was würden Sie Sammlerinnen und Sammlern empfehlen, worauf sollten sie beim Kauf von Kunst aus dem Rechner achten?

TB: Man könnte versuchen, die Sammler zu motivieren, sich mit dem handwerklichen Geschick, welches gebraucht wird, um mit einem Computer Kunst zu erzeugen, zu beschäftigen. Sie sollten sich immer fragen, ob bei dem einzelnen Werk wirklich alles getan worden ist, um das maximal Mögliche mit dem Computer zu erreichen.

 

ARTMAPP: Tim Berresheim, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

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08/2017

 

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