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Michael Lauterjung

 

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Michael Lauterjungs paradoxe Malerei

„Alles im grünen Bereich“

Das Leben, es wird wieder lärmender und lauter. Mehr Autos auf den Straßen, mehr Menschen auf den Plätzen. Die Zeit der erzwungenen Stille ist wieder vorbei. Der soziale Stillstand, die Ruhe, konnte einem Maler wie Michael Lauterjung nicht viel anhaben. In einem Interview mit der Schweizer Galerie THE VIEW hat er bekannt: „Ich habe die neue Situation auf mich wirken lassen, habe den Rasen gemäht, mich in der Sonne gesuhlt, bin viel mit dem Hund spazieren gegangen und habe mein Atelier aufgeräumt.“

 

Doch schließlich hat auch Michael Lauterjung wieder angefangen zu malen. Mit einer Entschleunigung, die seinem Werk ohnehin, seit Jahren schon, eingeschrieben ist. Malerei braucht Zeit. Wir haben Zeit. Ich habe Zeit. So sieht es Lauterjung. Lauterjung ist ein gelassener Maler – einer, der gut mit sich alleine, mit sich selbst, auskommt.

 

Seine Sujets findet er in der sichtbaren Welt. Still­leben malt er, die Dinge des Alltags. Seit der Antike werden Schalen, Teller und Früchte gemalt und gezeichnet, doch diese lange Historie stört Lauterjung nicht. Er folgt mit großer Hingabe der kunsthistorischen Spur, dieser Tradition, um auf einem von vielen begangenen Feld zu ganz eigenen Ergebnissen zu kommen. Seine Arbeiten sind nicht streng, nicht apo­diktisch, im Gegenteil. Ihre Gelassenheit kommt ohne Imponier­gehabe aus. Dennoch arbeitet er seit Jahren konsequent jenseits künstlerischer Trends nach dem gleichen Prinzip: Den Hintergrund gestaltet Michael Lauterjung stets schlicht, oft monochrom, sehr abstrahierend, gelegentlich durch ein Ornament verziert. Die Sujets, zumeist in der Bildmitte, zeigt er uns jedoch detailliert und mit sehr ­genauem Blick für die Vorlage.

 

Michael Lauterjungs Kunst ist konzentriert. Seine auf Holz entstehende Malerei hat einen Vordergrund und ein schwebendes, diffuses Dahinter. Es gibt aber noch eine dritte Ebene, ein Dazwischen, zwischen der sichtbaren Welt und der Welt der Abstraktion. Dieses Dazwischen, so könnte man sich denken, das ist der Künstler selbst, der zwischen den Welten wechselt. Der uns immer wieder in Erstaunen versetzt.

 

Und tatsächlich: Mit diesen stillen Dingen kann man erstaunen. Sogar eine ironische Note hat Lauterjungs Kunst. Denn in der Verquickung abstrakter, variantenreich gestal­teter Farbflächen aus der Tradition des Informel mit der Delikatesse verführerischer, in Teilen gar illusionistischer Malerei liegt ein Tabubruch, den zu begehen dem Maler Freude bereitet. „Es gibt im Grunde keine abstrakte oder realistische Malerei, alles findet auf einer zweidimensionalen Fläche statt – und dort entsteht die neue Realität“, sagt Lauterjung.

 

Diese neue Realität ist zeitlos und einzigartig, steht in einer langen Tradition, doch löst sie sich stets von allen Vor­lagen. Michael Lauterjung ist es gelungen, eine ganz eigene Formsprache zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Konkretheit und Kontextlosigkeit zu finden. Allein das ist schon viel. Doch noch besser wird diese Kunst in ihrer Wirkung: Jedem sei empfohlen, es einmal selbst zu versuchen und sich eine längere Zeit einem Werk von Michael Lauterjung auszusetzen.

 

Seine Malerei zeigt Alltagsgegenstände, doch ist sie para­doxerweise eine Bewegung gegen das, was den Alltag oft auszeichnet: Hektik und Überfluss. In der Zeit der Krise hingegen, so Lauterjung, schien das Leben zu ruhen: „Hierin liegt auch die große Chance. Der Druck von außen fällt weg, wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Jeder von uns muss mit Einschränkungen zurechtkommen. Der Mensch kann durch die Situation lernen, dass es mit der Lebenseinstellung ‚schneller‘, ‚größer‘ und ‚besser‘ nicht weitergehen kann.“

 

Michael Lauterjung, der in Cammin bei Rostock lebt und arbeitet, ist so wie seine Bilder: Ein ernster und ironischer, ein abstrakter Maler und einer, dem der Mal-Gegenstand wichtig ist. Das können auch ­Tiere sein, Stoffe, Schuhe, Obst, Gemüse, Blumen und ­Regenmäntel! Und auch diese will ­Lauterjung als „etwas Endgültiges“ ins Bild bringen. Wobei der Begriff des „Endgültigen“ schon ­wieder zu pathetisch klingt für einen Künstler, der sich auf verschiedene Weise ­einer einfachen Kategorisierung zu ­entziehen versteht – ohne die Dinge allzu sehr zu verkomplizieren.

 

Lauterjungs Kunst ist widersprüchlicher, als sie auf den ­ersten Blick zu sein scheint. Das Leben selbst ist widersprüchlich – wie deutlich wurde uns das in den vergangenen Monaten vor Augen geführt. Der Widerspruch, dazu muss man nicht Hegels „Phänomenologie des Geistes“ gelesen ­haben, ist der Ursprung vieler Entwicklungen. Er führt zur Veränderung. Verändern wir uns! Und fangen wir so an: ­Betrachten wir die Kunst von Michael Lauterjung.

 

Marc Peschke

 

8. August bis 19. September 2020

Michael Lauterjung, „Der Reiz der Berührung“

Galerie Michael W. Schmalfuss, Marburg

www.galerie-schmalfuss.de

 

25. Oktober bis 22. November 2020

Michael Lauterjung, „natürlich“

Kunsthaus Alte Mühle, Schmallenberg

www.kunsthaus-alte-muehle.de

 

28. November 2020 bis 16. Januar 2021

Anne Carnein und Michael Lauterjung

„BIO | SPHÄREN | RESERVAT“

Galerie 21.06, Ravensburg

www.galerie2106.de

 

www.michael-lauterjung.de

 

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8/2020

 

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